Riedstadt trauert um Ehrenstadträtin Erika Zettel

Die Sozialdemokratin galt als soziales Gewissen Riedstadts. Sie engagierte sich 36 Jahre lang in der Kommunalpolitik. Als Erste Stadträtin führte sie sechs Monate lang das Rathaus.

Riedstadt. Riedstadts Ehrenstadträtin Erika Zettel ist tot. Sie starb am 11. August überraschend mit 79 Jahren. Die Sozialdemokratin galt als soziales Gewissen Riedstadts. Sie engagierte sich 36 Jahre lang, von 1977 bis 2013, ehrenamtlich in den politischen Gremien. Von 1997 bis 2013 war sie als Erste Beigeordnete und Erste Stadträtin die Vertreterin des Bürgermeisters.

Dass dies schnell zur Vollzeitbeschäftigung werden kann, zeigte sich, als Bürgermeister Gerald Kummer (SPD) Kreisbeigeordneter wurde: Vom 6. Oktober 2010 bis zum Amtsantritt von Werner Amend (parteilos) am 4. April 2011, führte Erika Zettel sechs Monate das Rathaus, war quasi Riedstadts erste Bürgermeisterin ohne Titel.

Viele Ehrungen
„Selbst kandidierte sie nie für das Amt der Rathauschefin, obwohl sie voraussichtlich die besten Chancen hatte, gewählt zu werden“, schreibt die Stadt Riedstadt im Nachruf: „Denn Erika Zettel war zu jeder Zeit Mensch und menschennah. Sie war eine politische Person, die es schaffte, über Parteigrenzen hinweg hohe Anerkennung zu finden“. Sie habe Kompromisslösungen in verfahrenen Situationen im Rathaus gefunden. „Daher war sie sowohl in der Bevölkerung als auch bei allen Mitarbeitenden im Rathaus eine angesehene und sehr geschätzte Gesprächspartnerin“, so die Stadt.

Sie war Mitgründerin der Stiftung Soziale Gemeinschaft Riedstadt, Wegbereiterin der Verschwisterung mit der französischen Partnerstadt Brienne-le-Château, bis 2022 viele Jahre Ortsgerichtsschöffin in Goddelau. Für ihr vielfaches Engagement wurde sie mit Bundesverdienstkreuz, Landesehrenbrief, Ehrenplaketten in Bronze, Silber und Gold der Stadt gewürdigt und 2014 zur Ehrenstadträtin ernannt. Weitere Auszeichnungsmöglichkeiten habe es nicht gegeben, bedauert Bürgermeister Marcus Kretschmann (CDU). Er beschreibt Zettel als „pragmatisch und lösungsorientiert“.

Auch die SPD trauert um ihr Urgestein: „Mehr als sechs Jahrzehnte hat Erika die Politik der SPD in Riedstadt entscheidend mitgeprägt. In ihrer jahrelangen Funktion als ehrenamtliche Stadträtin hat sie sich für ihre Heimatstadt eingesetzt und war das soziale Gesicht von Riedstadt“, schreibt die SPD. Im vergangenen Jahr ehrte die Partei sie für 60 Jahre Mitgliedschaft. Bereits zuvor hatte sie die Willy-Brandt-Medaille erhalten. Mit ihrem 2022 verstorbenen Mann Georg habe sie die SPD Goddelau mitgestaltet. Im Ortsverein Riedstadt kümmerte sie sich bis zuletzt um Mitglieder in Goddelau.

Ratgeberin und Freundin
„Erika Zettel war in meiner Bürgermeisterzeit lange als Erste Stadträtin meine persönliche Vertretung, auf die ich mich jederzeit absolut verlassen konnte und deren Rat ich überaus geschätzt habe“, erinnert sich Gerald Kummer: „Für sie stand Menschlichkeit im Denken und Handeln immer im Zentrum ihres Wirkens. Sie war das menschliche und soziale Gesicht der Sozialdemokratie in Riedstadt, volksverbunden, ehrlich und authentisch.“ „Für viele von uns war sie auch eine Freundin. Sie bleibt unvergessen“, zeigt sich Ortsvereinsvorsitzende Melanie Stahlecker-Zach erschüttert.

Bis zuletzt engagierte sie sich im Arbeitskreis Goddelauer Geschichte und in der Arbeitsgruppe Verschwisterung. „Erika Zettel war auch ein absoluter Familienmensch“, schreibt die Stadt. Sie hinterlässt eine Tochter und zwei Enkelkinder. „Sicherlich hätte sie gerne Anfang nächsten Jahres ihren runden Geburtstag mit ihrer Familie und ihr nahestehenden Menschen gefeiert. Dies bleibt ihr nun leider verwehrt“, schließt der Nachruf der Stadt.

Als Bürgermeisterin der Herzen und soziales Gewissen wird Riedstadts Ehrenstadträtin Erika Zettel in Erinnerung bleiben. Jetzt ist sie mit 79 Jahren gestorben. © Robert Heiler

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